Zum Inhalt springen
Guitar

So nimmst du Akustikgitarren auf

1. Februar 2023

Sebastian Murgul

Sebastian Murgul

So nimmst du Akustikgitarren auf

Inhaltsverzeichnis

Dank der großen Auswahl an hervorragenden und erschwinglichen Interfaces, Mikrofonen, Computern, DAWs, Plug-ins und praktisch allem, was du sonst noch zum Aufnehmen brauchst, ist Musikmachen heute einfacher denn je. Um Gitarren richtig aufzunehmen, musst du zwar noch einiges an Technik lernen, aber es ist nicht so schwer, wie du denkst!

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, deine E-Gitarre oder Akustikgitarre aufzunehmen. Manche sind gleich, andere unterscheiden sich – und mit etwas Übung geht dir alles ganz leicht von der Hand!

Im ersten Teil einer zweiteiligen Serie geht es um die Aufnahme von Akustikgitarre.

Akustikgitarren aufnehmen – Mikrofonierung

Akustikgitarren profitieren immer von einer guten Mikrofonierung. Nichts beeinflusst deine Aufnahme stärker als die Position und Ausrichtung des Mikrofons. Wenn du gerade erst anfängst und keine teuren Mikrofone hast, keine Sorge! Mit etwas Ausprobieren kannst du trotzdem großartige Ergebnisse erzielen.

Für die Mikrofonierung von Akustikgitarren eignen sich Groß- oder Kleinmembran-Kondensatormikrofone am besten. Notfalls kannst du aber auch dynamische Mikrofone verwenden. Für eine der Techniken brauchst du ein Mikrofon, das sich auf eine Achtercharakteristik einstellen lässt.

Ein Mikro, kein Problem!

Schon mit nur einem Mikrofon bekommst du einen großartigen Akustikgitarren-Sound. Am besten platzierst du es etwa 30 cm von der Gitarre entfernt und richtest die Kapsel auf den 14. Bund. So erhältst du eine schöne Balance zwischen Klangfülle und Brillanz. Der 14. Bund ist ein guter Ausgangspunkt. Wenn du etwas mehr Klangfülle brauchst, richte das Mikrofon ein wenig mehr auf den Korpus. Zu viele Bässe? Dann richte das Mikrofon näher auf den 12. Bund, um mehr Brillanz zu erhalten.

Zwei Mikrofone in XY-Anordnung

Dafür nimmst du zwei Mikrofone und richtest ihre Kapseln im 90-Grad-Winkel zueinander aus. Richte dieses Setup auf deine Akustikgitarre, zunächst wieder auf Höhe des 14. Bundes, und passe es nach Geschmack an. Diese Positionierung sollte dir ein schönes, breites Klangbild der Gitarre liefern, das phasenstabil bleibt.

Zwei Mikros, Hals und Korpus

Diese Variante kann etwas knifflig sein, da schnell Phasenprobleme entstehen können. Nimm dir deshalb Zeit dafür. Ein Mikrofon zeigt direkt auf den 14. Bund, das andere schräg auf den Korpus hinter dem Steg. So erhältst du eine schöne Mischung aus Fülle und Brillanz, die du beim Mixen ganz nach Geschmack abstimmen kannst.

Zwei Mikrofone, die Mid-Side-Methode

Dafür brauchst du spezielle Mikrofone (erinnerst du dich an das Achtercharakteristik-Mikrofon, das ich vorhin erwähnt habe?). Dieses Setup fängt die Gitarre mit einem großartigen Stereobild ein und vermeidet zugleich Phasenprobleme, falls dein Mix auf Mono summiert wird.

Du brauchst zwei übereinander angeordnete Mikrofone (also halte deine Galgenstative bereit!). Das erste Mikrofon (mit Nierencharakteristik) richtest du auf die Gitarre (starte wieder am 14. Bund und passe die Position nach Geschmack an). Das zweite Mikrofon stellst du auf Achtercharakteristik und platzierst es über dem ersten. Seine Kapsel zeigt dabei im 90-Grad-Winkel von der Kapsel des ersten Mikrofons weg (es nimmt also im Wesentlichen den Raum auf).

Beim Abmischen – wir greifen hier etwas vor, aber das ist wichtig – hast du im Grunde zwei Spuren: die deines Hauptmikrofons mit Nierencharakteristik und die des Achtermikrofons. Dupliziere die Spur des Achtermikrofons und kehre bei der Kopie die Phase um. Wenn du beide Spuren mittig im Panorama abspielst, hörst du (fast) nichts, da sich die Phasen gegenseitig auslöschen. Legst du sie jedoch ganz nach links und rechts, erhältst du ein schönes, volles Stereobild, das hervorragend zum Nierenmikrofon passt. Eine tolle Methode für einen Stereosound!

Vergiss den Piezo nicht

Wenn du Akustikgitarren aufnimmst und deine Gitarre einen Piezo-Tonabnehmer hat, schließe ihn an und nimm auch dieses Signal auf! Für sich allein klingt es nicht besonders gut. Du kannst es aber beimischen, wenn der Gitarre etwas Attack fehlt.

Ab in die DAW

Beim Aufnehmen solltest du das bestmögliche Signal erzielen, ohne die Vorverstärker deines Interfaces zu übersteuern. Gleichzeitig brauchst du genug Headroom, damit deine Plugins später optimal arbeiten können. Stelle den Eingangspegel deines Interfaces daher so ein, dass deine Akustikgitarre bei etwa -10 dB ihren Spitzenwert erreicht. Das ist der ideale Pegel!

Der Raum

Nimm möglichst in einer ruhigen Umgebung auf, denn du bist darauf angewiesen, dass die Mikrofone den Klang einfangen. Versuche, den Raum akustisch so gut wie möglich zu dämpfen, damit die Mikrofone keine Reflexionen aufnehmen (mir ist das schon passiert – kein Spaß). Wenn du einen akustisch optimierten Raum hast: perfekt! Falls nicht, hänge möglichst schwere Decken seitlich und vor der Person an der Gitarre auf.

Wenn du darauf keinen Zugriff hast, such dir einfach den bestmöglichen Raum mit möglichst trockenem Klang. Räume mit mehreren Bücherregalen können den Schall oft streuen, während Polstermöbel einen Teil davon absorbieren.

Einmal in deiner DAW

Wenn du mit nur einem Mikrofon aufgenommen hast, ist es ganz einfach! Stell das Panorama einfach so ein, wie du es möchtest.

Wenn du mit zwei Mikrofonen aufgenommen hast, passe das Panning so an, dass die Gitarre gut abgebildet wird. Lege die Spuren nicht ganz nach links und rechts – etwas Abstand im Stereobild sollte genügen.

Bei der Mid-Side-Technik richtest du deine Spuren einfach wie besprochen ein und experimentierst mit dem Panning des Nierenmikrofons.

Bei Aufnahmen mit mehreren Mikrofonen empfiehlt es sich oft, alle Akustikspuren auf eine Busspur zu routen. So kannst du die Gesamtlautstärke deines Mixes steuern und bei der Mitte-Seite-Technik auch die Gesamtbreite des Akustikgitarrensignals anpassen.

EQ

Beim EQ gibt es ein paar bewährte Tricks, mit denen deine Akustik-Tracks optimal klingen.

Für die Höhen eignet sich am besten ein High-Shelf-Filter, um dem Gesamtklang mehr Brillanz zu verleihen. Zusätzlich kannst du mit einem Low-Pass-Filter unangenehm scharfe Frequenzen ganz oben absenken.

Für den Bassbereich eignet sich am besten ein Hochpassfilter, vor allem um tieffrequentes Rumpeln zu entfernen, das möglicherweise von den Mikrofonen aufgenommen wurde, etwa Schritte. Wenn sich solche Störgeräusche über alle Spuren hinweg summieren, klingt dein Song matschig. Mein bester Tipp: Stelle den Hochpass auf eine steile Flankensteilheit und verschiebe die Grenzfrequenz, bis du einen Unterschied im Bassbereich hörst. Nimm sie dann nach Geschmack wieder etwas zurück.

Kompression

Bei einer Akustikgitarre solltest du nur leicht komprimieren, um die Transienten auszugleichen, ohne den Gesamtklang plattzudrücken. Starte mit einem Verhältnis von 4:1 und einer kurzen Attack-Zeit, um die Transienten einzufangen. Wähle eine etwas längere Release-Zeit, damit der Klang weich statt gequetscht wirkt. Stelle den Schwellenwert auf etwa 3 bis 4 dB Gain Reduction ein und passe ihn dann nach Geschmack an.

Hall und Delay

Nun, das ist alles Geschmackssache. Räumlichkeit oder keine Räumlichkeit? Das liegt ganz bei dir. Am besten legst du Reverb und Delay jedoch auf separate Bus-Spuren, damit du sie nach Geschmack beimischen kannst. Zumindest würde ich einen dezenten Raumhall empfehlen, um etwas Tiefe zu erzeugen und den Klang „natürlicher“ wirken zu lassen.

Je mehr andere Instrumente du allerdings in deinem Mix hast, desto eher solltest du deine Akustikgitarre Reverbs und Delays mit ihnen teilen lassen, damit der Mix nicht matschig wird. Bei Aufnahmen mit nur einem Mikrofon sind Mono-Reverbs ebenfalls völlig in Ordnung. Stereo solltest du dir für Aufnahmen der Akustikgitarre mit mehreren Mikrofonen vorbehalten, damit das Stereobild stimmig bleibt.

Versuche bei Delays, sofern dein Mix es zulässt, die Wiederholungen im Stereofeld etwas breiter als die Akustikgitarre anzulegen, damit alles gut hörbar bleibt (in dichten Mixen kann das allerdings schwieriger sein). Im Bandkontext gehen Delays jedoch oft unter, wenn sie nicht als markanter Effekt eingesetzt werden. Verlass dich auf deine Ohren!

Und das war’s! All das sind nur Vorschläge und Ausgangspunkte – passe sie also ruhig an deinen Song an. Stell das Mikro näher heran oder weiter weg, richte es anders aus, komprimiere das Signal stark, füge Sättigung hinzu – oder eben nicht. Verlass dich auf deine Ohren und wähle, was für dich am besten klingt!


Auf X teilenAuf Facebook teilenAuf LinkedIn teilenLink kopieren