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Guitar

Improvisieren auf der Gitarre: Ein Guide für Anfänger

6. Dezember 2022

Sebastian Murgul

Sebastian Murgul

Improvisieren auf der Gitarre: Ein Guide für Anfänger

Inhaltsverzeichnis

Großen Meistern der Gitarrenimprovisation zuzuhören, ist eine echte Offenbarung. Die Ideen scheinen nur so aus ihnen herauszusprudeln, und dabei sieht alles ganz leicht aus! Das ist ein Ziel, das jeder Gitarrist erreichen kann.

In diesem Beitrag zeigen wir dir einige einfache Ideen und Konzepte für den Einstieg in die Improvisation. Wie du lesen und hören wirst, ist der Anfang gar nicht so schwer, wie es scheint!

Beginne mit ein paar Tonleitern

Für die meisten Gitarristen sind die Dur- und Moll-Pentatonik der einfachste Einstieg, da sie leicht zu lernen und anzuwenden sind. Meist lassen sie sich als Box-Patterns mit zwei Tönen pro Saite spielen und kommen in allen populären Genres sehr häufig vor.

Hier sind die Box-Patterns der A-Dur-Pentatonik. Alle Grundtöne (in diesem Fall alle „A“-Töne) sind in Klammern hervorgehoben:

Und hier sind die Box-Patterns der A-Moll-Pentatonik (die Grundtöne sind wieder in Klammern hervorgehoben):

Achte genau darauf, wo die Grundtöne liegen. Sie bestimmen, in welcher Tonart deine Tonleiter steht. Wenn du dieselbe Tonleiter also in Cm statt in Am spielen möchtest, verschiebe einfach eine Box so, dass der Ton C an der Position der Grundtöne in der Box liegt. Spiele dasselbe Griffmuster – und voilà! Gleiches Muster, andere Tonart!

Halte es am Anfang einfach

Jetzt, wo du diese Tonleitern beherrschst, ist es Zeit, sie beim Spielen anzuwenden. Am Anfang ist Einfachheit entscheidend. Eine besonders hilfreiche Übung für Lernende besteht darin, sich bewusst einzuschränken und sich nur auf wenige Töne statt auf die gesamte Tonleiter zu konzentrieren. So musst du dich gerade am Anfang nicht zwischen zu vielen Tönen entscheiden und vermeidest, die Tonleiter einfach nur auf- und abzuspielen. Dein Spiel soll wie ein Gespräch klingen, nicht wie eine Übung.

Warum spielst du am Anfang nicht einfach nur auf zwei Saiten? Schau und hör dir das folgende Beispiel an:

Wie du siehst, werden alle Licks nur auf der hohen E- und der H-Saite gespielt. Sie gehören alle zum selben Pentatonik-Pattern (Pattern 3 der zuvor erwähnten Moll-Pentatonik). Auch die Rhythmen sind einfach gehalten, sodass Noten und Phrasen statt Effekthascherei im Mittelpunkt stehen (die kommt später aber noch!).

Die Töne passen zu jedem Akkord in der Akkordfolge – du kannst also gar keinen falschen treffen! So entwickelst du nach und nach ein Gefühl und ein Gehör dafür, wo bestimmte Töne funktionieren.

Wenn du das Gefühl hast, alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben, nimm eine dritte Saite dazu, ändere die Saitengruppierung oder probiere ein anderes Box-Pattern aus. Es gibt so viele Möglichkeiten!

Bring ein paar Motive ins Spiel

Beim Improvisieren führen wir ein Gespräch mit uns selbst und den anderen Musikern. Ähnlich wie beim Sprechen wollen wir Phrasen verwenden, die gut klingen, sinnvoll sind und zueinander passen. Eine Technik, mit der du stimmige Phrasen gestalten kannst, ist die Arbeit mit Motiven.

Ein Motiv ist eine wiederkehrende musikalische Idee, die durch diese Wiederholung erkennbar wird. Es kann sowohl rhythmisch als auch melodisch sein.

Ein rhythmisches Motiv ist einfach ein wiederkehrender Rhythmus. Dabei können sich gleiche oder unterschiedliche Töne wiederholen, doch der Rhythmus bleibt von Phrase zu Phrase gleich. Hier ist ein Beispiel für einen einfachen Rhythmus:

Sieht einfach genug aus. Aber jetzt wenden wir das auf ein paar Noten an:

Wie du hören kannst, ist dieser einfache Rhythmus der Keim einer Idee für vier kleine Phrasen. Weil der Rhythmus gleich bleibt, hat er einen hohen Wiedererkennungswert und bleibt den Zuhörenden im Ohr. Außerdem klingt das Ganze wie eine zusammenhängende musikalische Idee. Und du konntest ganz leicht vier kurze Phrasen improvisieren!

Wenden wir dasselbe Konzept jetzt auf die Melodie an. Statt eines einfachen Rhythmus haben wir hier eine einfache Linie mit drei aufsteigenden Tönen:

Das kannst du jetzt als Ausgangspunkt für eine Idee nutzen und deine nächsten Phrasen ausschließlich mit drei aufsteigenden Tönen spielen, etwa so:

Jetzt kannst du das eine oder das andere anwenden – aber wie wäre es mit beidem? Natürlich geht das! Hier ist ein Beispiel für eine Phrase mit einem einfachen Rhythmus und vier absteigenden Noten:

Bilden wir nun mit dieser Idee eine Phrase:

Allein mit diesen beiden Tools haben wir jetzt eine Linie, die sich spontan leicht aufbauen und spielen lässt und dem Publikum im Ohr bleibt – denn sie ist wie musikalischer Klebstoff: Sie bleibt einfach hängen!

Folge den Akkorden

Wenn wir mit dem Improvisieren anfangen, wählen wir oft eine Tonleiter, eine Box und bleiben die ganze Zeit dabei. Hey, die Töne passen und ich muss mich nicht groß bewegen – das ist einfach ... oder?

Ja, genau! Und die Freude an dieser Spielweise sorgt fast automatisch dafür, dass keine schiefen Töne unangenehm herausstechen.

Wenn wir unser Spiel jedoch verbessern wollen, kannst du bei jedem Akkordwechsel im Song auch die Tonleiter wechseln. Das ist leichter, als du denkst!

Alle Tonleitern auf der Gitarre basieren auf Mustern. Die Fingersätze einer Dur-Tonleiter sind in jeder Tonart gleich. Das Einzige, was sich ändert, ist die Position auf dem Griffbrett. Das verschafft uns Gitarristen einen Vorteil gegenüber Klavier- und Blasinstrumentenspielern, die auf ihren Instrumenten unterschiedliche Tonkombinationen lernen müssen. Sobald wir eine Tonleiter gelernt haben, beherrschen wir technisch gesehen gleich 12!

Spielen wir also ein einfaches Motiv über einige Dur-Pentatonik-Tonleitern. Die Grundtöne der einzelnen Licks stehen jeweils in Klammern:

Wir verwenden Box 2 der Dur-Pentatonik (siehe erstes Bild). Im ersten Takt spielen wir jedoch die A-Pentatonik, im zweiten die D-Pentatonik und im dritten die E-Pentatonik. Die Licks bleiben in Tonfolge, Rhythmus usw. gleich. Wir verschieben sie lediglich für die verschiedenen Akkorde auf den jeweiligen Grundton. Und schon hast du dein Spiel aufs nächste Level gebracht!

So übst du diese Konzepte

Improvisation übst du am besten, indem du zu Backing-Tracks spielst. Online findest du eine riesige Auswahl in verschiedenen Stilen und Tonarten – suche auf YouTube einfach nach „Backing Tracks“, dann weißt du, was ich meine. Beginne zunächst mit einem langsamen Tempo von 60 bpm. An schnellere Melodien tastest du dich in kleinen Temposchritten heran, sobald du dich sicher fühlst.

Noch besser ist es, dich beim Improvisieren zu Backing-Tracks aufzunehmen. So kannst du dir im Nachhinein anhören, was du spontan gespielt hast, besonders gelungene Stellen erkennen und herausfinden, was du noch verbessern kannst.

Also, übe deine Tonleitern, arbeite mit diesen Konzepten, und schon bald bist du auf dem besten Weg, großartig zu improvisieren!

Hast du ein paar eingängige Phrasen aufgenommen und möchtest deine Ideen festhalten? Probiere unsere Guitar2Tabs App aus, um sie zu transkribieren.


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